Am 10. September ist Welttag der Suizidprävention

Ich hätte ihn lieber weinend an meiner Schulter gehabt, als nächste Woche zu seiner Beerdigung gehen zu müssen – mit diesen Worten forderte der Mixed-Martial-Arts Kämpfer Paddy Pimblett nach einem Kampf 2022 insbesondere Männer dazu auf, in Krisenzeiten offen über ihre Sorgen zu sprechen. Kurz zuvor hatte sich ein Freund von ihm suizidiert.

In der Evangelischen Beratungsstelle gilt der Leitsatz Reden hilft! – doch das ist manchmal leichter gesagt als getan. Es gibt Gedanken und Gefühle, die sich durch Tabus oder Schamgefühle schwerer aussprechen lassen. Beispielsweise dann, wenn das eigene Leben unerträglich geworden ist. Wussten Sie, dass in Deutschland mehr Menschen durch Suizide sterben als durch Verkehrsunfälle, illegalen Drogenkonsum und Gewalttaten zusammen? In 2023 waren es in Deutschland 200 Menschen pro Woche. Jeder 100. Todesfall ist ein Suizid. Und es ist die häufigste Todesursache bei Jugendlichen! Warum reden wir nicht mehr darüber?

Kooperationsveranstaltung zum Welttag der Suizidprävention in der Bonner Innenstadt

Viele Bonner Institutionen, darunter die Katholische EFL , die Telefonseelsorge , die Familienberatungsstelle der Caritas und die PBS des Studierendenwerks der Uni Bonn haben am 10. September 2025 im Rahmen des Welttages der Suizidprävention Veranstaltungen, Info-Stände und verschiedene Aktionen durchgeführt.

Auf dem Vorplatz der Kreuzkirche, am Hauptportal des Bonner Münsters sowie an der Poppelsdorfer Mensa hatten Interessierte, Betroffene und Angehörige die Möglichkeit, sich zu informieren. Ziel war es, das Bewusstsein für Suizidalität zu schärfen und Betroffene zu ermutigen, Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Es ist dringend notwendig, in unserer Gesellschaft das Tabu um Suizidalität zu brechen und offen darüber zu sprechen. Erst wenn wir ins Gespräch darüber finden, werden Barrieren und Hürden für Betroffene abgebaut, um Hilfe annehmen zu können.

Auch wenn es sich komisch anfühlen mag: Verständnis für die Suizidgedanken zu zeigen bedeutet nicht, den Wunsch gutzuheißen. Es bedeutet, dass sich Betroffene verstanden und gesehen fühlen.

Welttag der Suizidprävention: Ein starkes Zeichen auf dem Vorplatz der Kreuzkirche

Am 10. September haben wir gemeinsam mit AGUS e.V. den Welttag der Suizidprävention auf dem Vorplatz der Kreuzkirche in Bonn gestaltet. Es war ein besonderer Tag, an dem wir mit vielen Menschen ins Gespräch gekommen sind, aufmerksam zugehört haben und spüren konnten, wie wichtig es ist, über Suizid und Krisen offen sprechen zu dürfen. Die Elterngruppe von AGUS e.V. machte durch eine besonders berührende Installation aufmerksam: für jedes der verstorbenen Kinder wurde ein silberner Sterneballon auf dem Vorplatz drapiert. Die schwebenden Sterne machten die Trauer sichtbar – und zugleich die Liebe, die bleibt.

Besonders bewegt hat uns, wie unterschiedlich Menschen die Angebote angenommen haben: Manche nutzten die Gelegenheit, bei unserer Beratung to go ein vertrauliches Gespräch zu führen, andere blieben für die musikalischen Beiträge die Bonner Sängerin mary sophi  oder das Outdoor Atelier Lena’s Raum von Kunsttherapeutin Lena Gutt-Blümel stehen und erlebten so Gemeinschaft und Resonanz.

Danke für Ihr Dasein, die eingebrachte Neugier und Fragen, Danke für die Spenden, das Zuhören und Mitmachen, Danke für’s Dabeisein. Ein großes Danke auch an die Mitarbeitenden des Kirchenpavillons , ohne die der Tag nicht so reibungslos hätte ablaufen können.

Unsere Haltung zu Suizid und Trauer

Als Evangelische Beratungsstelle Bonn möchten wir ein klares Zeichen setzen: Menschen, die ihr Leben durch Suizid beendet haben, begegnen wir mit Mitgefühl und Respekt. Ihren Angehörigen möchten wir Trost und Unterstützung anbieten. 

Wir wissen, dass Suizid Ausdruck tiefer Verzweiflung und Not ist. Deshalb sehen wir es als unsere Aufgabe, Betroffene, Hinterbliebene und Trauernde in dieser Not zu begleiten. Mit Offenheit, Wärme und der Gewissheit: Niemand muss diesen Weg allein gehen.

In unserer Arbeit sprechen wir daher beispielsweise auch bewusst nicht von „Selbstmord“. Das Wort trägt eine moralische und strafrechtliche Färbung – es stellt den Tod durch Suizid in eine Nähe zu Schuld und Verbrechen. Damit wird das Leid von Menschen in akuter Not nicht nur verkannt, sondern auch zusätzlich belastet.

Auch für die Angehörigen ist es wichtig, dass nicht moralisiert wird. Schuldzuweisungen oder abwertende Begriffe können die Trauer erheblich erschweren. Stattdessen haben sie unseren Trost, unser Mitgefühl und die Gewissheit verdient, dass ihre Trauer ernst genommen wird. Als psychologische Beratungsstelle möchten wir Räume öffnen, in denen über Suizid gesprochen werden darf – ohne Angst vor Verurteilung, sondern getragen von Empathie und Respekt.

Hilfsangebote – schnell, kostenlos und anonym

Der KrisenKompass ist eine App der TelefonSeelsorge und dient als „Notfallkoffer für die Hosentasche“.

Die TelefonSeelsorge ist unter den Rufnummern 0800 111 0 111 und 0800 111 0 222 rund um die Uhr erreichbar. Online gibt es die OnlineSeelsorge !

Das Kinder- und Jugendtelefon der Nummer gegen Kummer berät Mo.-Sa. von 14 bis 20 Uhr unter 116 111.

Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer berät Mo., Mi., Fr. von 9 bis 17 Uhr und Di. sowie Do. von 9 bis 19 Uhr unter der 0800 111 0 550.

U25 ist ein Onlineangebot für Menschen in (suizidalen) Krisen unter 25 Jahren, wobei die Beratenden selbst unter 30 sind.

bke-Onlineberatung für Eltern und Jugendliche – E-Mail-Beratung von Fachkräften.

Der 10. September wurde 2003 von der Weltgesundheitsorganisation und der International Association for Suicide Prevention als Welttag der Suizidprävention ausgerufen, um die Gesellschaft für Suizidalität zu sensibilisieren. Und auch Zeit zur Trauer geben: Trauer um die durch Suizid verstorbenen Menschen ebenso wie für deren Hinterbliebene. Dafür stellen Unterstützer*innen weltweit um 20 Uhr eine Kerze ins Fenster und machen damit auf die Wichtigkeit von Suizidprävention aufmerksam.