Reden kostet nichts. Schweigen schon.
Am Welttag der Suizidprävention am 10. September brachte das Bonner Netzwerk für Suizidprävention die häufig tabuisierten Themen Suizid und Suizidalität mitten in die Stadt. An drei Standorten konnten sich Interessierte informieren, mit Fachkräften ins Gespräch kommen und Hilfsangebote kennenlernen. Auch Menschen, die selbst Suizidgedanken haben, suchten vor Ort das Gespräch und Unterstützung.

Ein öffentlicher Ort für Trauer und Begegnung
Auf dem Vorplatz der Kreuzkirche entstand über den Tag eine besonders offene Atmosphäre. Viele Menschen kamen bewusst, um miteinander ins Gespräch zu gehen. Auch Hinterbliebene, die einen Menschen durch Suizid verloren haben, nutzten den Ort, um zu trauern, sich auszutauschen und Gemeinschaft zu erfahren.
Sichtbar wurde die Trauer unter anderem durch eine Aktion von AGUS e. V. : Luftballons erinnerten stellvertretend an Kinder und geliebte Menschen, die durch Suizid verstorben sind. Hinterbliebene konnten selbst Ballons beschriften und so an einen Menschen erinnern, den sie verloren haben.
Neben den Informations- und Gesprächsangeboten gab es Raum für Kreativität und Musik. Gemeinsam mit Lena von OptiPearl konnten Besucher:innen Wunscharmbänder knüpfen. Und mit jedem Armband wurde ein ganz persönlicher Wunsch auf den Weg gebracht. Das Angebot wurde von vielen Menschen genutzt. Die Bonner Musikerin Mary Sophi begleitete den Aktionstag musikalisch und präsentierte dabei auch eigene Songs.

Dass Suizid und Trauer mitten im öffentlichen Raum sichtbar werden, bedeutet zugleich, sich verletzlich zu zeigen. Umso wichtiger waren die vielen Begegnungen mit Menschen, die stehen blieben und echtes Interesse mitbrachten, Fragen stellten oder eigene Erfahrungen teilten.
Suizidprävention ist möglich – aber nicht jeder Suizid kann verhindert werden
Ein offener Umgang mit Suizidalität kann für Betroffene die Hemmschwelle senken, sich professionelle Unterstützung zu suchen. Für Hinterbliebene sind Gesprächsangebote und Räume für Trauer und Austausch wichtig. Gleichzeitig kann öffentliche Aufklärung Tabuisierung und Vorurteilen entgegenwirken, die Schuldgefühle verstärken können.
Beim gemeinsamen Abschluss auf dem Vorplatz der Kreuzkirche rückte Trauerbegleiterin und Fachautorin Chris Paul noch einmal die Verbindung zwischen Menschen in den Mittelpunkt. „Deshalb sind wir hier: weil Reden eigentlich ziemlich leicht ist“, sagte sie. Mit lebensbejahenden Worten und dem Appell, miteinander in Verbindung zu bleiben, beendete sie den gemeinsamen Aktionstag.
Ein besonderer Dank gilt der Michael-Franke-Stiftung , deren finanzielle Unterstützung die Umsetzung des Aktionstags und seiner vielfältigen Angebote ermöglicht hat.

Aktionen auch am Bonner Münster und in Poppelsdorf
Auch vor dem Hauptportal des Bonner Münsters und an der Mensa CAMPO in Poppelsdorf war das Netzwerk präsent. Am Münster konnten Besucher:innen miteinander ins Gespräch kommen und bei kleinen Mitmachaktionen unter anderem eigene Buttons gestalten. An der Mensa CAMPO informierten die Mitwirkenden über Suizidprävention und bestehende Hilfsangebote.

Der Welttag der Suizidprävention fand bereits zum vierten Mal in der Bonner Innenstadt statt. Das Netzwerk Suizidprävention Bonn möchte den Aktionstag auch künftig nutzen, um Suizid und Suizidalität öffentlich ins Gespräch zu bringen.
Zu Gast in der WDR Lokalzeit
Auch die WDR Lokalzeit aus Bonn griff den Welttag der Suizidprävention auf. Christiane Wellnitz, Leiterin der Evangelischen Beratungsstelle, war im Studio zu Gast. Im Gespräch ging es unter anderem um Suizidalität bei jungen Menschen, mögliche Anzeichen und darum, wie wichtig es ist, sich in Krisen Unterstützung zu suchen.
Den Beitrag finden Sie hier auf der WDR-Website: Suizid-Präventionstag: Sie hat ihren Sohn verloren