Diese Geschichte ist nicht zu Ende: Warum Suizidprävention uns alle angeht

In Deutschland nimmt sich alle 51 Minuten ein Mensch das Leben und etwa alle fünf Minuten findet ein Suizidversuch statt. Das sind Zahlen, die erschrecken und doch selten zur Sprache kommen. Am 10. September, dem Welttag der Suizidprävention, richtet sich der Blick auf  ein Thema, das alle Altersgruppen und sozialen Schichten betrifft. Ziel ist es aufzuklären, Tabus zu brechen und Hilfe sichtbarer zu machen. 

Die Dimensionen einer stillen Krise

Im Jahr 2024 starben in Deutschland 10.372 Menschen infolge eines Suizids. Das sind deutlich mehr Todesfälle als durch Verkehrsunfälle, Gewaltverbrechen, illegale Drogen und AIDS zusammen. Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Suizidrisiko deutlich und das durchschnittliche Alter der Verstorbenen liegt bei rund 62 Jahren. Doch auch junge Menschen sind betroffen, denn in ihrer Altersgruppe sind Suizidversuche besonders häufig, vor allem unter jungen Frauen. 

Suizid ist kein Randthema, sondern betrifft Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten. Trotzdem wird Suizid in der Öffentlichkeit oft nur als individuelles Schicksal betrachtet, und nicht als gesellschaftliche Herausforderung. Fachleute sind sich jedoch einig, dass ein Großteil der Todesfälle vermeidbar ist. Die wichtigste präventive Maßnahme ist schlicht und anspruchsvoll zugleich: darüber sprechen und Hilfsangebote zugänglich machen.

Tabuisierung und Risikofaktoren 

Über lange Zeit hinweg galt Suizid als Tabuthema und das Schweigen hat Folgen: Betroffene fühlen sich mit ihren Gedanken oft allein und ihre Mitmenschen sind verunsichert, ob und wie sie das Thema ansprechen sollen. In der Allgemeinbevölkerung fehlt zudem ein grundlegendes Wissen über Warnsignale, Risikofaktoren und Hilfsmöglichkeiten. Dabei entsteht Suizidalität meistens nicht plötzlich. Häufig geht ihr eine lange Phase des Leidens voraus. Besonders gefährdet sind Menschen mit psychischen Erkrankungen, wie etwa Depressionen oder Suchtverhalten. Auch Personen mit bereits erfolgten Suizidversuchen tragen ein erhöhtes Risiko. Gleiches gilt für ältere Menschen, die unter Einsamkeit oder schweren chronischen Krankheiten leiden. Doch auch junge Erwachsene sind gefährdet, besonders wenn sie in Entwicklungs- oder Beziehungskrisen stecken.

Suizidalität erkennen und ansprechen 

Suizidale Menschen zeigen oft Warnsignale: Zu diesen zählen der soziale Rückzug aus dem Freundeskreis und der Familie oder eine deutliche Verschlechterung des psychischen Zustands. Es können sich außerdem Auswirkungen auf Stimmung, Schlaf oder Verhalten zeigen. Häufig äußern Betroffene auch direkt ihre Suizidgedanken oder deuten verdeckt darauf hin. 

Weitere Warnhinweise wie ein verändertes Aussehen oder Gewohnheiten können ebenfalls bedeutend sein, auch wenn sie vielleicht nur subtil sind. Deshalb ist Achtsamkeit gefragt. Fachleute betonen, dass Angehörige im Verdachtsfall nicht davor scheuen sollten, Betroffene anzusprechen, denn häufig kann ein Gespräch entlastend wirken. Mitmenschen sollten hierbei aus ihrer eigenen Wahrnehmung heraus sprechen und auf konkrete Hilfsangebote verweisen. Wichtig ist aber, dass auch Angehörige ihre Grenzen nicht überschreiten und bei Bedarf auf professionelle Hilfsmöglichkeiten zurückgreifen. 

Suizid und Suizidversuche sind kein Ausdruck einer freien Entscheidung. Sie entstehen meist aus schwerer psychischer, sozialer oder körperlicher Not. Echte Prävention bedeutet, diese Situation anzuerkennen und Betroffene nicht allein zu lassen. Der Welttag der Suizidprävention erinnert daran, dass hinter jeder Zahl ein Mensch steht mit einer Geschichte, die weitergehen kann.  

Ein Beitrag der Kampagne Deine Geschichte ist nicht zu Ende der Arbeitsgruppe regionale Netzwerke des Nationalen Suizidpräventionsprogramms initiiert und im Rahmen des Seminars Medienpraxis an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg entwickelt.